Zeige Artikel vom: November 2016

Strommix: Verbraucher werden in die Irre geführt

von pm-energy

22. November 2016 | erstellt in Energiewende, Erneuerbare Energien, Konventionelle Energieträger, Studie

Ökostrom ausweisen, Kohlestrom liefern. Für Kunden sehen Stromtarife oft umweltfreundlicher aus, als sie in Wirklichkeit sind. Die Versorger berufen sie sich auf gesetzliche Vorgaben. Bei den Angaben zur Stromherkunft werden Verbraucher zunehmend in die Irre geführt. Dies geht aus einer aktuellen Übersicht 35 großer deutscher Stromanbieter hervor. So weisen die untersuchten Anbieter deutlich weniger Kohle- und Atomstrom in ihrem Strommix aus, als sie tatsächlich für Ihre Kunden einkaufen. Die Versorger beschaffen bis zu 42% mehr Energie aus konventionellen Quellen, als aus den offiziellen Angaben hervorgehen. Dies ergaben Recherchen des Energie- und IT-Unternehmens LichtBlick. „Das Wirtschaftsministerium nimmt diese Verbrauchertäuschung bisher billigend in Kauf. Wir brauchen eine rasche Reform der Kennzeichnung, damit der Etikettenschwindel ein Ende findet“, fordert Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von LichtBlick. „Auch für Stromprodukte muss gelten: Es darf nur das draufstehen, was auch drin ist. Nur so können Verbraucher Tarife und Anbieter klar unterscheiden.“ Aus der Übersicht der Anbieter-Stromkennzeichnungen geht hervor, dass der ENBW-Konzern über 42% mehr Strom aus Atom, Kohle und andere fossilen Quellen für seine Kunden einkauft, als im Unternehmens-Strommix angegeben. Auch bei E.ON (plus 38%), Innogy (plus 38%), Vattenfall (plus 37%), EWE (plus 31%) fällt der Anteil konventioneller Energie höher aus, als für die Verbraucher ersichtlich.  Ebenso bei den Stadtwerken – zum Beispiel Düsseldorf (plus 40%), Flensburg (plus 39%), Erfurt (38%), DREWAG (plus 35%), Leipzig (plus 35%), Mainova (plus 29%) und München (plus 29%). Zwei der 35 untersuchten Anbieter sind ihrer gesetzlichen Pflicht, ab dem 1. November 2016 ihre Stromkennzeichnung für 2015 vorzulegen, bisher nicht nachgekommen.

Kostenloses Greenwashing

Die Anbieter können sich bei der irreführenden Stromkennzeichnung auf die gesetzlichen Vorgaben berufen. Der Gesetzgeber verpflichtet Versorger, einen EEG-Stromanteil von bis zu 46% auszuweisen - obwohl die Unternehmen den subventionierten EEG-Strom nicht für ihre Kunden beschaffen. Die Folge: Der Anteil Atom- und Kohlestrom wird in der Kennzeichnung zu niedrig angegeben. Für den Kunden sehen viele Stromtarife umweltfreundlicher aus, als sie tatsächlich sind. In einem kürzlich veröffentlichten Gutachten des Hamburg Instituts heißt es dazu: „Die tatsächliche Beschaffungspolitik eines Stromanbieters wird von der Stromkennzeichnung immer weniger abgebildet.“ „Selbst wenn ein Anbieter 100% Kohle- und Atomenergie einkauft, muss oder besser darf er einen grünen EEG-Stromanteil von 46% ausweisen. Die Kennzeichnung ist absurd. Kein Verbraucher versteht diese Regelung. Energieanbieter, die nichts für die Energiewende tun, profitieren von diesem kostenlosen Greenwashing“, mahnt Lücking. Die Gutachter haben deshalb einen Reformvorschlag entwickelt. Im Kern sollen künftig bei der Kennzeichnung nur noch die Energiemengen ausgewiesen werden, die ein Anbieter tatsächlich für seine Kunden produziert oder einkauft. Da Verbraucher mit der Zahlung der EEG-Umlage den Ausbau von Windrädern und Solaranlagen finanzieren, sollen sie künftig auch in verständlicher Weise auf ihren Energiewende-Beitrag hingewiesen werden. „Die EEG-Umlage hat jedoch keinen Einfluss auf den Stromeinkauf der Versorger. Deshalb darf der EEG-Strom künftig nicht mehr in der Stromkennzeichnung der Energieanbieter auftauchen“, betont Lücking. Quelle: https://www.haustec.de/management/strommix-verbraucher-werden-die-irre-gefuehrt

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Neue EWG Studie: Deutschland verfehlt Klimaziele erheblich

von pm-energy

4. November 2016 | erstellt in Energiewende, Erneuerbare Energien, Politik

Eine Nullemissionswirtschaft ist nötig, um Pariser Abkommen zu erreichen 4. November 2016, Berlin – Die aktuellen Klimaziele Deutschlands sind viel zu schwach, um  das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Und selbst diese schwachen Ziele droht die Bundesregierung zu verfehlen, so lautet das Ergebnis einer neuen Studie der Energy Watch Group und ASPO Deutschland „Deutsche Klimapolitik – vom Vorreiter zum Bremser“, die heute veröffentlicht wurde. Das Pariser Klimaabkommen tritt heute in Kraft. Doch der ehemalige Klimavorreiter Deutschland fährt zur Weltklimakonferenz in Marrakesch ohne einen Klimaschutzplan - und wird immer mehr zum Klimasünder. „Mit dem heutigen Inkrafttreten des Pariser Abkommens müsste die Bundesregierung  ihr 'Energiekonzept und ihre Klimaziele' völlig neu schreiben. Eine Minderung der nationalen Treibhausgas-Emissionen um 80-95 % bis 2050 im Vergleich zu 1990 ist komplett ungeeignet, um die Pariser Ziele zu erreichen“, so Hans-Josef Fell, Ko-Autor der Studie, Präsident der Energy Watch Group und Bundestagsabgeordneter 1998 - 2013. „Die momentanen Klimaschutz-Maßnahmen der Bundesregierung führen nicht einmal mehr zu nennenswerten Emissionsminderungen. Die globale mittlere Erdoberflächentemperatur steigt derzeit sprunghaft wie nie zuvor. Da schon heute immense Auswirkungen beobachtet und dokumentiert sind, sollten jedwede weitere Temperaturanstiege – ob 1,5 °C oder weniger – inakzeptabel sein. Viel mehr sollte eine Abkühlung auf das vorindustrielle Niveau zum Ziel gemacht werden“, so Fell. Tatsächlich weist die Studie nach, dass der von der Bundesregierung vorgegebene, nationale Emissionsminderungspfad seit 2010 in jedem Jahr überschritten wurde. Besonders die Sektoren Straßenverkehr, Elektroenergie und Landwirtschaft sind an der Überschreitung beteiligt. Gemäß den Projektionen der Bundesregierung wird zum Beispiel der Verkehr im anspruchsvollsten Minderungsszenario den vorgeschriebenen Zielpfad 2035 um 91 % überschreiten. „Der Emissionsminderungspfad von 2010 ist schon in den ersten Jahren verfehlt worden. In Kombination mit den deutlich ambitionierteren Zielen des Pariser Abkommens sind nun zusätzliche Maßnahmen in erheblichem Umfang nötig, deren Ziel eine Nullemissions-Wirtschaft bis 2030 sein sollte“, so Jörn Schwarz, Autor der Studie und Vorsitzender der ASPO Deutschland. Eine weltweite Nullemissionswirtschaft müsse an eine Agenda zur Schaffung wirksamer Kohlenstoffsenken gekoppelt sein. Zur Umsetzung werden diverse nötige Schritte aufgeführt. So sind auf der technischen Seite 100 % Erneuerbare Energien und eine vollständige Kreislaufwirtschaft erforderlich. Politisch betrachtet sei es notwendig, Klimaschutz in die Verfassung aufzunehmen, Anreizinstrumente für Klimaschutzinvestitionen der privaten Wirtschaft zu schaffen und Forschung und Bildung im Bereich Klimaschutz gezielt zu stärken, so die Autoren der Studie. „Diese Studie zeigt deutlich, dass es mit der aktuellen Energiepolitik keine Chance gibt, die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten. Im Vergleich zu den ambitionierten Maßnahmen anderer Länder gerät damit Deutschland beim Klimaschutz immer mehr ins Hintertreffen. Damit gefährdet die Bundesregierung nicht nur die Lebensgrundlagen künftiger Generationen, sondern auch die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland“, so Dr. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin und Gutachter der Studie. Die Studie kann hier heruntergeladen werden. Pressekontakt: Energy Watch Group, Tel: +49 30 609 898 810, presse@energywatchgroup.org Energy Watch Group (EWG) ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Die EWG beauftragt die Wissenschaftler mit der Erstellung von Studien und Analysen zur realen Verfügbarkeit fossiler und atomarer Energieressourcen und zu Ausbaumöglichkeiten erneuerbarer Energiequellen weltweit.

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